Das schönste Dorf im Landkreis Kelheim.
Haunsbach setzte sich im Kreisentscheid des
Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" gegen starke Konkurrenz aus Irnsing, Holzharlanden und Staubing durch. Am Ende konnte Haunsbach die Jury vor allem durch die enorme Eigeninitiative aus den Reihen seiner Bürger und einem sehr lebendigen Dorfleben überzeugen.
Rote Geranien in grünen Blumenkästen vor Fenstern und Balkonen, Häuser und Vorgärten auf Hochglanz poliert, davor die Einheimischen im Sonntagsstaat
herausgeputzt - so stellt man sich landläufig den Prototyp eines bayerischen Dorfes vor. Bei der Bewertungskommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" würde solcher Postkarten-Kitsch allerdings nicht verfangen. Die gängigen Beurteilungskriterien setzen ganz andere Schwerpunkte.
Erstrebenswerte Ziele sind vielmehr die Verbesserung der Zukunftsperspektiven in den Dörfern sowie die Steigerung der Lebensqualität
im ländlichen Raum. Die Bürger sollten ihren Lebensraum, ihr persönliches Umfeld nach Möglichkeit bewusst gestalten, pflegen und weiterentwickeln. Die Bewertungsbereiche waren in der achtköpfigen Jury unter Vorsitz von
Kreisgartenfachberater Franz Nadler klar verteilt: Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen bewerteten Ingeborg Bauer und Elsendorfs
Bürgermeister Matthäus Faltermeier (im Falle von Haunsbach blieb er selbstverständlich außen vor). Für soziales und kulturelles Leben interessierte sich Kreisbäuerin Erna Amann. Baugestaltung und -entwicklung nahmen Kreisbaumeister Konrad Schwendner und Kreisheimatpfleger Albert
Blümel unter die Lupe, die Grüngestaltung und -entwicklung Johann Kolb als Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege. Und schließlich bewertete Naturschutzreferent Burkhard Deifel von der Unteren Naturschutzbehörde, wie sich das Dorf in die Landschaft einpasst.
Am Ende der anderthalbstündigen Besichtigungstour fand Jury-Vorsitzender Franz Nadler gestern
Vormittag nur lobende Worte und nahm damit das Endergebnis beinahe schon vorweg: "Das Dorf lebt. Es ist sehr viel Engagement und viel Grün vorhanden.
Es ist einfach alles da, was ein Dorf ausmacht."
Haunsbach, das gegenüber seinen drei Konkurrenten - die allesamt Sonderpreise erhielten - klar das Rennen machen konnte, überzeugte durch
eine vernünftige Siedlungspolitik, ausreichende, aber sparsame Baulandausweisung, fehlenden Leerstand und vor allem durch die Revitalisierung alter Bausubstanz, die dem Dorf neues Leben einhaucht.
Die Jury zeigte sich nach den Worten von Franz Nadler beeindruckt von einem außergewöhnlichen bürgerschaftlichen Engagement, etwa bei der Sanierung des Kirchenumfeldes samt Friedhofsmauer oder dem Bau der St. Anna-Kapelle. Liebevoll gestaltet ist nach Meinung der Kommission auch der wünschenswerte Dorfkern mit Bauerngarten, einer Gastwirtschaft und dem neu gepflanzten Dorfbaum. Eine durchgängige Ortsdurchgrünung, gepflegter Blumenschmuck,
nicht versiegelte Hofflächen, der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen in der Energieversorgung, der Umgang mit der Brauchtumspflege, die historische Aufbereitung von Dokumenten aus der Dorfgeschichte bis hin zu
interkommunaler Zusammenarbeit mit anderen Gemeindeteilen oder Kommunen waren weitere Mosaiksteinchen, die das Gesamtbild ergaben, wie sich die Jurymitglieder ein modernes Dorf mit einer funktionierenden Gemeinsachft vorstellen.
Mit dem Sieg auf Kreisebene haben die Haunsbacher die Qualifikation für den
Bezirksentscheid im nächsten Jahr in der Tasche. Bis dahin wird sich in Haunsbach mit Sicherheit noch jede Menge tun. Dafür sorgt allein schon
der Ideenreichtum seiner Bewohner.
Im Folgenden einige der Beisipiele, mit denen der 112-Seelen-Ort in der Gemeinde Elsendorf die Jury letztendlich überzeugen konnte.Die Haunsbacher hatten sich auf den Wettbewerb nicht eigens vorbereitet. Nachdem man im Jahre 2002 bereits einmal teilgenommen hatte, wagte man nun nach der abgeschlossenen Dorferneuerung einen zweiten Anlauf. Wie Bürgermeister Matthäus Faltermeier bei der Begrüßung der Kommission betonte, sind die Ideen für das sogenannte Leitbild der jüngst durchgeführten Dorferneuerung im Rahmen des Agenda 21-Prozesses zum überwiegenden Teil aus den Reihen der Bürger selbst entstanden.
Wesentlich älter ist das "Haunsbach-Lied", das nach dem Zweiten Weltkrieg entstand und aus der Feder eines Vertriebenen aus Ungarn stammt.
Kapellmeister von Beruf beschrieb er seine neue Heimat vor mittlerweile mehr als 60 Jahren in dem Liedtext so:
"Haunsbach in der Holledau, das ist das schönste Dorf in Bayern."
Aktuell leben in seinen Grenzen 112 Einwohner, wie Georg Dettenhofer der Sprecher des Arbeitskreises Dorferneuerung Haunsbach, berichtete.
Und Haunsbach ist ein junges Dorf, denn 27 seiner Bewohner - also rund ein Viertel - sind noch keine 18 Jahre alt.
Die Feuerwehr mit 25 Aktiven und der St. Anna-Verein bilden die Aktivposten des Dorflebens mit zwei großen Feierlichkeiten im Jahreskalender:
das Anna-Fest Ende Juli und das Hopfazupfa-Fest Mitte August.
Dazu kommen eine Reihe weitere Treffen, zu denen sich die Dorfgemeinschaft immer wieder - mitunter auch ganz spontan - zusammenfindet.
In Haunsbach steht die Kirche nach wie vor mitten im Dorf. Kirchenpflegerin Annemarie Weiher erläuterte die Sanierung des 800 Jahre alten Gotteshauses in den Jahren 2001/02 sowie die Restaurierung der Friedhofsmauer, beides Gemeinschaftsprojekte mit hunderten von freiwillig geleisteten Arbeitsstunden.
Ein zweites sakrales Bauwerk steht ein wenig außerhalb. Der ehemalige dritte Bürgermeister Adolf Lindner, von dem Anfang der 1990er Jahre die Initiative zum Bau ausging, beschrieb die Entstehung der St. Anna-Kapelle, an der alle Jahre ein Gottesdienst abgehalten und anschließend gefeiert wird.
Der typische Duft des frisch geernteten "Grünen Gold", der sich alljährlich Ende August zur Hopfenernte über die Hallertau verbreitet, begleitete die Jury am Freitagvormittag während ihres anderthalbstündigen Rundgangs.
Hopfenfachwart Andreas Schlemmer konnte berichten, dass es in Haunsbach noch immer neun aktive Hopfenbauern gibt.
Bernhard Maier stellte an anderer Stelle seine Hackschnitzelheizung vor, eine Anlage, die mit einer etwa 300 Meter langen Fernwärmeleitung vier Häuser versorgt. Das System wäre ausbaufähig, so Maier, weitere Anschlüsse seien durchaus möglich. Ein Gedanke, den man in Haunsbach angesichts weiter steigender Energiepreise wohl nicht aus den Augen verlieren dürfte.
Ein anderes Beispiel für gelungene Privatinitiative ist Sabine Kaspari¹s "Lindenhof Holledau". Auf einem alten Bauernhof entstand eine blühende Landschaft, die zum Erholen und Ausspannen geradezu einlädt. Dieses Ruhe ausstahlende Ambiente nutzt die Besitzerin für ihre "Naikan-Seminare", eine aus Japan stammende, dem Buddhismus entlehnte Entspannungstechnik, die stressgeplagten Zeitgenossen einen "Weg zu mehr Glück und Zufriedenheit" verspricht.
All diese Initiativen zusammengenommen ergeben ein vitales Dorfleben, das die Jury am Ende so beeindruckte. Die Haunsbacher, so viel ist klar, leben gerne in ihrem Dorf und sind stolz auf das, was sie in den vergangenen Jahren geschaffen haben.
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Das Bild von Annemarie Weiher zeigt aktive Haunsbacher bei der Sanierung der Friedhofsmauer
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